Ein Tunnel für den Hafen von Los Cristianos – Fluch oder Segen für den Süden Teneriffas?
Unsere neue Serie: Bauen, Sünden, Dankbarkeit. Was wird aus Teneriffa?
Durch den Tunnel nach El Hierro, La Palma und Gomera? Kein Licht am Ende des Bauwerkes. Egal, nicht so wichtig.
Ich könnte ihnen gleich ein halbes Dutzend Bauprojekte der Insel vorstellen. Aber halt, liebe Leserinnen und Leser, beginnen wir doch ganz einfach mit dem absurdesten Plan.
Wir hatten das schon mal vor vielen, vielen Jahren. Eine zukunftsorientierte Inselregierung, fasziniert vom deutschen „Transrapid“ und hoch motiviert durch die zustimmende Anbiederei deutscher Geschäftsleute und Politiker, war ernsthaft dabei, tolle Vorstellungen von einer deutschen Magnetschwebebahn auf der Kanareninsel umsetzen zu wollen. Wir schrieben das Jahr Elf nach der Jahrtausendwende, also 2011.

Quelle: Der Spiegel.
Liebe Leser aus dem fernen Alemania. Sie erinnern sich bestimmt noch an das teure Gefährt von Siemens-ThyssenKrupp, das es sinnvollerweise zu langen und wirtschaftlichen Fahrstrecken bis nach Asien geführt hat. Aber im flächenmäßig kleinen Deutschland fuhr ja nur ein Zug auf einer kurzen Teststrecke bei Lingen. Ich bin selbst mal dort gewesen und hatte eine kurze Fahrt gewagt. Karussell fahren ist spannender. Ach, ist das alles lange her.
Nun ja, lange Rede kurzer Sinn. Gilt hier auch für meine Äußerung, aber dennoch könnte ich von nunmehr ernsthaften Planungen für einen „Tren del Sur“ berichten, der in fünf bis zehn Jahren schrittweise die Metropole Santa Cruz mit dem ständig wachsenden Süden der Insel verbinden könnte. Und dann gibt es ja noch die notwendige Erweiterung der Südautobahn TF 1, die dringend eine dritte Spur braucht, was aber nur zwischen San Isidro und Adeje ein wenig angepackt wurde und im großen Umfang erst noch zu Ende geplant und überhaupt erst ausgeschrieben werden muss.

Quelle: Simulación Cabildo de Tenerife.
Wir kennen die Vergangenheit Teneriffas ein wenig, um uns eine punktuelle Betrachtung zu erlauben. Diese Herangehensweise gibt ganz gut Aufschluss über Sinn und Unsinn von Träumen und Planungseifer lokaler oder etwa regional bedeutsamer Politiker.

Zum Thema von heute: der Tunnel.
So, zum beschriebenen Phänomen nassforscher und übereifriger Planer und Politiker gesellt sich nun eine ganz andere Idee, die mit dem dringend Notwendigen nicht viel zu tun hat. Irgendwo zwischen La Gomera und der Autobahnauffahrt von Los Cristianos Richtung Santa Cruz haben sich Politiker auf den Weg gemacht, ein wenn auch beachtliches Problem aufzuwerfen aber leider nicht anzupacken.
Immer wieder mal sorgen die Aktivitäten des kleinen Fährhafens von Los Cristianos bei kritischen Zeiten für Staus und Unruhe in der Umgebung. So wie es bei allen Festtagen und dabei besonders in Verbindung mit Brückentagen vorkommen kann, so ist es nicht immer, müssen wir dazu betonen.
Nun werden sie sicher meinen, naja, dann könnte man den Fahrplan der Schiffe von Fred Olsen und Naviera Armas darauf abstimmen, dass diese Engpässe vermieden werden. Nein, weit gefehlt, davon sprechen wir hier nicht. Das Vorhaben existiert anscheinend nur in Schubladen.

Alles eine Frage der Abfahrszeiten.
Es ist wirklich eng da unten im Hinterland der schönen Strände von Las Americas und Adeje. Da muss ganz was anderes geschehen, eine atemberaubende Lösung muss her. Da drängt sich, wenn schon keine Brücke, doch wenigstens ein kleiner Tunnel als Lösungsvorschlag auf. Ja und der wird nun für etwa 600.000 Euro erst einmal projektiert. Das wird nach dem Start im letzten August noch über ein Jahr dauern, bis etwas konkretere Ausgestaltungen dieses Bauwerkes in den Medien von strahlenden Politikern präsentiert werden können.
Aber vielleicht haben sich dann inzwischen die Ereignisse allgemein und Entwicklungen des Straßenverkehrs im Besonderen derart weiterentwickelt, dass noch einmal neu oder nachgeplant werden muss, bis ein beschlussfähiger Vorschlag auf dem Tisch liegt. Sowas soll ja vorkommen.

Glauben sie das wirklich? Es dürften sicher noch andere Varianten diskutiert werden und die könnten eine Unmenge Zeit verschlingen. Derweil wachsen die Verkehrsprobleme der ganzen Insel kräftig weiter, selbst wenn die dritte Fahrspur der Autobahn und der Zug des Südens bereits im Bau sein sollten. Zukunftsmusik?
Auch da gibt es bestimmt noch eine Menge Änderungsbedarf. So ist man derzeit am Herumdoktoren, um bei der Autobahnerweiterung auch eine angemessen Anbindung an das Hospital del Sur zu ermöglichen. Tja, und dieses Gesundheitszentrum, wie ich es lieber nennen möchte, wäre zum Thema seiner eigenen Bauphasen auch noch speziell zu behandeln.

So geht es dann immer weiter und wir fragen uns, ob denn die Menschen aus dem Süden alle Dinge in der Metropolregion von La Laguna und Santa Cruz über den Weg der Südautobahn TF1 ansteuern müssen. Es ginge doch eigentlich auch auf der Autobahn vorbei an Adeje über den Norden und zunächst wäre die Region um Puerto de La Cruz erreicht. Und danach beginnen Richtung Santa Cruz auf der Schreckensroute der TF 5 Autobahn die nicht endenden Stauaufenthalte der Autofahrer, von denen fast niemand bereit ist auf das gute Netz der öffentlichen Verkehrsmittel zurückzugreifen.

Da wird doch seit vielen, vielen Jahren vom „Anillo insular“, dem Insularen Ring gesprochen. Richtig, eine gute Projektierung geht in ihre Endphase und niemand spricht davon. Es fehlen noch einige unfertigen Kilometer eines Tunnels, die atemberaubend schnell ihrer Fertigstellung nahekommen. Gemeint ist das unsichtbare Treiben in der Gegend des Dorfes Erjos. Wir werden sehen, ob es sich nur noch um Monate handelt, doch ich bin da eher skeptisch.
Es war vor Längerem zu lesen, dass umfangreiche Sachverhalte aus dem Weg geräumt werden müssen. Nicht nur die Felsen im Berg verzögern eine der größten Baustellen Spaniens. Alles ist ja meist eine Frage des Etats und dessen Beschaffung wird bei jeder Kostensteigerung zum neuen Streitpunkt.

Bei alledem, liebe Leserinnen und Leser und insbesondere die, die mit mir hier auf dieser wunderschönen Insel leben, ja, bei alledem, wovon ich hier nur Andeutungen machen konnte, da kann doch niemand ernsthaft einen klaren Gedanken fassen, um sich einen Tunnel unter dem kleinen Vulkankegel in Hafennähe von Los Cristianos vorstellen zu können.
Nicht, dass ich Angst hätte, der schöne Hügel würde Schaden nehmen und ein Naturwunder der Urkräfte des Erdinneren würde verschandelt werden. Nein, dazu ist kein Anlass, denn der Vulkanberg trägt schon eine großflächige Visitenkarte vergangener Zeiten ungebremster Bauwut: den Rohbau einer ausgedehnten Appartementanlage.

Bei dem derzeitigen Tourismus-Boom wäre diese Ruine unternehmerischer Fragwürdigkeit doch eine Gelegenheit, noch mehr Betten in die Küstenlagen zu pflanzen und diesen unwürdigen Schandfleck zumindest zu tilgen. Eine begrünte Appartementanlage sieht doch immer noch besser aus, als graue Steinklötze mit jahrzehntelanger Haltbarkeit.
Doch dazu gibt es noch viel mehr Beispielhaftes zu beschreiben und deshalb kommen wir dazu dann bald in der zweiten Folge. Stichwort: Mamotreto de Añaza, auch mit deutscher Beteiligung schon vor sehr langer Zeit.
Was gibt es noch so zu lesen …
Was bisher geschah …
07-03-2024
Der Stadtstrand von Los Cristianos im Süden Teneriffas.
Vom Fischerdorf zur urbanen Zone mit Fährhafen und viel Tourismus.
Kurzportrait in Bildern: Stadtstrand von Los Cristianos
Mehr als ein Stadtstrand am Hafen. Playa de Los Cristianos
Badestrände sind wahrscheinlich der wichtigste Ort, an dem sich die Urlauber des Tages aufhalten. Wir wollen uns deshalb diesen Plätzen zwischen Faszination und Enttäuschung zuwenden. Am Beginn der losen Folge von Beispielen der Inseln kann sehr gut Teneriffa stehen und es soll auch nicht gleich der attraktivste oder populäre Streifen Küste werden, den wir näher betrachten. Machen wir uns auf den Weg mit einem Blick auf die Karte. >>>
Teneriffa besitzt eine Vielzahl von Stränden unterschiedlichster Beschaffenheit, geprägt durch Sand oder Felsen. Neben den unzähligen kleinen natürlichen Standabschnitten und von der Erosion geformten Buchten können wir einige von Menschenhand schon vor Jahrzehnten geschaffenen Strände finden, die ihren Urzustand im Wechsel der Jahre verändert haben oder weiter ausgedehnt worden sind.
Der Stadtstrand von Los Cristianos zählt dazu. Ihn teilten sich vor über einem halben Jahrhundert die Fischer, die ihrem Broterwerb nachgehen mussten mit den ersten Badegästen, deren Zahl ab Mitte der Siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts stetig zugenommen hat. Der angrenzende überschaubare Fährhafen, der es kleinen Passagierschiffen selten und mittleren Fährschiffen mehrmals täglich erlaubt, hier Station zu machen, reichte für alle Belange, da er auch nicht ohne Weiteres zu vergrößern wäre.

Als wir 1981 das erste Mal mit dem Flugzeug von Deutschland kommend auf Teneriffa landeten und das erste Mal den noch überschaubaren Hafenort erreicht hatten um mit der Fähre nach La Gomera überzusetzen, da war Los Cristianos schon lange kein Fischerdorf mehr. Jedoch gab es zwischen den größeren touristischen Bauten noch eine angenehme Zahl von Freiflächen. Diese Bereiche sind in den letzten Jahrzehnten nicht unbedingt im negativen Sinne zugebaut worden, sondern es ist gelungen, eine beachtliche Mischung aus traditioneller Kleinstadt mit touristisch umfangreichen Angeboten zu schaffen. Verkehrsberuhigte Bereiche fehlen ebenso wenig wie Kultur-. Sport- und Freizeiteinrichtungen.
Der Ort hat aber dennoch das Ausdehnen der Hotel- und Apartementanlagen deutlich zu spüren bekommen. Verkehrstechnisch haben sich, wie wir es überall erleben mussten, die Probleme und damit der nie endende Ausbau der Straßen und Autobahnen potenziert.
Trotzdem hat sich der alte Kern am Hafen von Los Cristianos einen gewissen Charme aus der Vergangenheit erhalten. Diesen Charme spüren wir immer noch, wenn wir 45 Jahre nach dem ersten Besuch mal hier vorbeischauen. Zunächst spazieren wir natürlich einmal kurz zum Strand. Dann geht es zu einem Helado artesanal in die kleinen Gassen, die von der Playa wegführen. Dort verbirgt sich auch eine kleine Buchhandlung, in der wir dafür sorgen, dass uns die Nähe zur deutschen Sprache nicht verloren geht. Aber das ist ja unser „Bier“.

Das Nebeneinander von Fährhafen und Badestrand ist Referenz für die Bedeutung dieses populären Teils der Insel. Hier treffen sich Zielsetzungen, Startpunkte, Träume und Pläne genau so oft wie Erholungsbedarf und Erlebnisdrang, aber auch viel Relax und Stress, letzterer in seiner harmlosen Variante.
Nicht zu vergessen sind die weiteren Strände, die um den Kern von Los Cristianos herum angeordnet sind. Gleich nördlich des Hafens ist die Playa de Las Vistas besonders zu erwähnen. Aber sie ist nicht die Einzige … dazu später mehr.
Los Cristianos ist ebenfalls ein Tor zu anderen Inseln. Es war für uns schon damals der Ausgangspunkt, um die Inseln nicht ausschließlich einzeln zu bereisen. Die Kanaren sind ein Archipel mit regem Austausch zwischen allen Teilen der zwei Provinzen. Los Cristianos ist die Brücke zu La Gomera, La Palma und, nicht zu vergessen, zum kleinen Eiland mit dem südwestlichsten Leuchtturm der Europäischen Union: El Hierro. Sich auf den Weg dorthin zu machen bedeutet immer wieder auch Los Cristianos zu erleben. Für die Dauergäste sind die Weiterreisenden eine Belebung der Szenerie mit allen ihren Facetten des modernen Tourismus. Schalenkoffer und Rucksack führen eine friedliche Koexistenz.
Ich hoffe, der kleine Film kann dieses Gefühl ein wenig transportieren und zeigen, dass unser stabiles Sommerwetter besonders im absoluten Süden Teneriffas nicht das Einzige ist, was uns reizen kann, hier mal einen Tag oder länger zu verweilen.
Vamos a la playa …




Die Wegstrecke (in rot markiert) über die Insel Teneriffa, um vom Hafen in Santa Cruz auf der Autobahn in etwas mehr als einer Stunde nach Los Cristianos zu gelangen.

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